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Aktuelle Themen

Lässt Du Dich auf dem Motorrad ablenken?

Social Media-Kanäle sind voll mit Videos von (auch stürzenden) Motorradfahrern, gleich danach Werbung für den Handy-Halter XYZ auf dem Bike, dann wieder ein Video von jemandem der beim Kurvenfahren diesselbigen schneidet, dann wieder eine Werbung für das beste Navigationssystem.
Immer wieder beobachten wir Motorradfahrer jeden Alters, die wie besoffen in Schlangenlinien fahren, vorne runter gucken und dann überrascht Vollbremsungen machen oder ganz einfach Kurveneingänge verpassen. 
Schaut man genauer hin stellt man fest: Die haben entweder eine Kamera, ein Headset oder eine Navigationssystem verbaut oder alles auf einmal.
Die meisten Motorrad-Hersteller bieten ihre neuesten Kreationen ja mit solchen Gadgets eingebaut (vor allem Navigationssystem, aber auch Schräglagen-Anzeigen usw.) an. All diesen Systemen ist gemein, dass sie den Fahrer ablenken.
Beim Auto konnte das eingefangen werden, indem der Spurhalteassistent (Lane-Assist) ja auch auf Strassenränder reagiert. Das hilft, wenn man im Auto die neuesten WhatsApp-Nachrichten seiner Witze-Gruppe lesen will/muss. Zudem hat man ja das schützende Blechkleid, dass die Folgen einer solchen Ablenkung abschwächen.

Aber beim Motorrad haben wir diesen Schutz nicht. Warum lassen sich dann Motorradfahrer ablenken?
Wieso brauchen wir Musik auf den Ohren beim Motorradfahren?
Muss man auf seiner Hausrunde (die meisten fahren ja diese hauptsächlich) ein Navigationssystem haben?
Der Sinn von Kameras auf Motorrädern erschliesst sich mir bei der MotoGP und anderen Rennserien, aber auf dem Motorrad auf der Strasse hat dies den Charme von Dia-Shows in unserer Jugend.

Wer also sicher Motorrad fahren will, lässt das alles sein und geniesst die Fahrt und konzentriert sich dabei auf das hier und jetzt.

Wo sind bloss die Superbikes auf der Strasse hin?

Eine länger Tour mit Gästen diesen August (Bellinzona, San Bernardino, Splügenpass, Maloyapass, Albula und wieder zurück über den San Bernardino nach Bellinzona) zeigte mir mal wieder auf: Superbikes findet man auf verwinkelten Alpenpässen kaum mehr. Nicht unerwartet dominieren Grossenduros (oder SUVs auf 2 Rädern, wie ich sie liebevoll nenne) die Parkplätze auf diesen Pässen. Gleich dahinter: Chopper. Vor allem Harley Davidsons scheinen auch im Gebirge die 2. Wahl zu sein. Danach kommen die üblichen Verdächtigen in Form von Naked-Bikes und den grossen Reisedampfern. 
Superbikes aber haben wir an diesem Tag kaum getroffen und wenn, dann waren es Motorräder in der 48 PS-Klasse.
Aber warum ist das so? 
Bei dieser Ausfahrt (mit individueller Beratung der Gäste durch mich) habe ich mich bewusst für die Ducati 999s entschieden. Ich wollte herausfinden, wie es ist, über 700km (für mich, da ich ja die An- und Abreise am selben Tag in's Tessin noch bewältigen musste und dabei den San Berardino nochmals 2x überquerte) im Sattel eines Superbikes vom "alten" Schlage zu sitzen und vor allem auch, wie das Handling und der Motor sich auf solchen Strassen schlagen. Dass das Wetter dabei durchwachsen war (Schauer morgens und abends, dazwischen Sonne und blauer Himmel) passte gut zum Test.
Von den Gästen fuhr keiner ein Superbike, sondern die meisten Grossenduros.
Das Superbike hat sich echt bewährt auf der Strasse. Ich muss sogar gestehen, dass ich deutlich weniger gestresst war am Abend, als wenn ich mit der Grossenduro fahre. Dafür verantwortlich machte ich auf dieser Tour vor allem 3 Gründe:
- Der tiefe Schwerpunkt eines Superbikes ist in engen Haarnadelkurven eindeutig ein Vorteil. Ich habe beobachtet, dass ich Haarnadelkurven mit dem Superbike deutlich schneller und geschmeidiger durchfahre als mit der Grossenduro. 
- Die lange Übersetzung gepaart mit einem sämigen Motor mit ordentlich Druck von unten und linearer Leistungsentfaltung führen dazu, dass ich viel weniger Schalten musste. Weniger Schalten = weniger Stress.
- Das Fahrwerk eines Superbikes bietet unglaublich viel Reserven. Dabei muss ich zugeben, dass meine 999 ja auf mich abgestimmt ist. Keine harten Schläge, samtenes Abrollen machen selbst Pässe wie den Splügen oder die Albula zum Genuss.

Beobachtet man dann die Fahrer der Grossenduros, die ja meist ohne Sozia unterwegs sind, und deren Probleme in Haarnadelkurven beobachtet, fragt man sich instinktiv: Warum tut man sich das bezogen auf das Handling an?
Manch einer dürfte nun einwerfen: Aber der Komfort auf der Grossenduro ist weit besser als auf dem Superbike.
In Bezug auf die Handgelenke stimmt das. Aber sonst? Nein. Gesäss schmerzt auf der 999 nie, auch die Knie machten keine Probleme, ja selbst der Nacken ... absolut problemlos.
Eigentlich schade, dass man nicht mehr Superbikes auf den Pässen sieht! Ich werde die 999 mehr auf der Strasse fahren.

26-AUG-2025

Gestiegene Unfallzahlen bei 16-jährigen A1-Fahrer - eine etwas andere Betrachtung

Immer wieder ist in den Medien zu lesen, dass ein minderjähriger Fahrer schwer verunfallt sei mit seinem Motorrad (A1). 
Und schon wird der Ruf laut, dass die Politik dies einschränken müsse und 16-jährige nicht in der Lage seien, ein 15PS-Motorrad sicher zu lenken.
Ist dem so?

Betrachtet man den Sachverhalt nüchtern, stellt man folgendes fest:
  • Nie waren junge Motorradfahrer besser gekleidet unterwegs.
  • Nie waren junge Motorradfahrer mit mehr Schulung auf der Strasse unterwegs als heute.
  • Nie waren die Motorräder junger Motorradeinsteiger in besserem Zustand als heute.
Denn: Früher durfte man schon mit 16 Jahren eine 80er fahren, die oft auch schon die Leistung von annähernd 15 PS hatten und oft auch schon über 80 km/h schnell waren. Dass die Maschinen damals verbastelt waren und oft eine fragwürdige Strassenverkehrs-Tauglichkeit aufwiesen, war oft offensichtlich.
Sicher aber ist auch: Es waren weniger 16-jährige Motorradfahrer unterwegs.
Ist das aktuelle Phänomen nur der grösseren Anzahl Fahrer geschuldet?

Motorradfahren stürzen (siehe Risikovergleich des Bundesamt für Statistik). Das ist ein Fakt. Und dass Motorradfahren deutlich unsicherer ist als Autofahren im Verhältnis zur Nutzung, ist offensichtlich (Quelle: Bundesamt für Statistik).
Weiter interessant, dass die Zahl der getöteten Motorradfahrern stagniert und seit mehreren Jahren um 50 Fahrer pro Jahr betrifft (siehe Bundesamt für Statistik). Die Zahl der Schwerverletzten schwankt, aber ist in der Tendenz sinkend und nur bei den Leichtverletzten sind die Zahlen seit Jahren stabil bei ~2800 pro Jahr.
Jeder Leicht- oder Schwerverletzte oder gar Getötete im Strassenverkehr ist einer zuviel. Aber die absolute Sicherheit gibt es nicht.

Doch ist das Alter wirklich entscheidend?
Fakt ist, dass etwas in den letzten Jahren zugenommen hat, was leider in den Berichten als "aus unerfindlichen Gründen" aufgeführt wird: Die Benutzung von Mobiltelefonen, Headsets und Navigationssystemen auf dem Motorrad.
Wer Motorrad fährt weiss, wie wichtig die Konzentration ist. Man ist exponierter als im Auto, meist auch schneller, aber vor allem Verletzlicher. Mobiltelefone oder Mobiltelefon-gesteuerte Navigationsanzeigen am Motorrad, Headsets mit Musik, oder noch besser, Entgegennahme von Anrufen plus die Kommunikation zwischen Motorradfahrern über die Headset bieten einen bunten Strauss an Ablenkung im Strassenverkehr.

Und so kommt es immer wieder zu Beobachtungen von uns, dass Motorradfahrer tagsüber wie besoffen auf dem Motorrad fahren, weil sie neben Gas geben und bremsen und lenken  mit der anderen Hand noch versuchen, ihr Handy/Navigationssystem zu bedienen oder das Headset wieder zum Laufen zu bringen.
Das betrifft nicht nur 16 - 20-jährige. Nein, auch ältere Fahrer erliegen dem Drang, ein Motorrad zu fahren, dass den neuesten Infotainment-Schnickschnack an Board haben muss. Schlimmer noch: Heute kriegt man kaum mehr etwas neu, dass dies nicht hat.
Wir glauben, dass mit einem Verbot dieser Geräte im Strassenverkehr, speziell aber bei Motorrädern, mehr für die Strassensicherheit täte als eine Dikussion zu führen, ob 16-jährige reif genug seien, eine 15PS-starke Maschine zu fahren.

11-AUG-2025
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